Als icke heut Mittag inna Bahn saß, da kam so ein Typ daher jelaufen, der gleich erstmal seinen Nachbarn da anpöbelt, weil dieser ihm anjeblich auf die Füße jetreten ist. Du globst ja garnich wat der fürn lanjen Hals hatte. Naja irjendwann ist der dann wieder aujestanden, um zu jehen nehm ick ma an, jedenfalls fliejt der denn voll oof die Fresse. Man oh man det war ne Jeschichte wah?
Derbe Variante der Autobus Geschichte
Heut’ im Bus kam so ein beschissener Typ an der einen echt abartig langen Hals hatte. Der setzt sich dann erstmal fett auf seinen Arsch und muckt da seinen Sitznachbarn an, warum der ständig seine Latschen auf seine stellen würde. Irgendwann steht der Alte dann auf und packt sich voll auf die Fresse.
Brief von Erich Fromm an Werther
Sehr geehrter Herr Werther,
ich habe Einsicht in ihre Post an Wilhelm aus den vergangenen Jahren erhalten und nun dachte ich, dass es der einfachste Weg sei, ihenen per Brief einige meiner Eindrücke mitzuteilen. Hierbei möchte ich sie keinesfalls angreifen, sondern sie darum bitten, sich meine Worte einmal anzuhören.
Zunächst einmal bin ich sehr beeindruckt von ihrer „Liebe“ zur Natur und ihrer Gefühlsbetontheit, die heute kein Mensch mehr wagt aufzuzeigen. Würden sie die Menschen von heute kennen, wären sie vermutlich entsetzt über ihr eher „maschienenartiges“ Leben. Für Gefühle gibt es heute kaum noch Platz. Heute stehen Arbeit und Konsum an oberster Stelle und so etwas wunderbares wie die Natur weiß kaum jemand zu achten und zu schätzen.
Aber nicht nur das allgemeine Leben ist durch den heutigen Massenkonsum geprägt, auch die Liebe. Ehepartner sind keine Liebespartnern mehr, sondern sich gegenseitig ergänzende Automaten. Die inneren Gefühle, die ich bei ihenen entdecken kann, halten die Menschen von heute in sich, sodass man seinen Partner im Laufe seiner Ehe eigentlich nie kennenlernt, sondern nur duldet.
Allerdings bin ich auch der Meinung, dass eine Ehe aufgrund dessen nur eine Zuflucht vor dem grausamen allein sein bietet. Wäre man nicht in einer Ehe, so wäre man alleine in den weiten des Konsums und der riesigen Welt. Und hier, sehr geehrter Werther muss ich nun Kritik an ihnen und ihrer Art zu lieben üben. Sie scheinen ein sehr einsamer junger Mann zu sein. Sie verließen ihre Heimat und das mag auch richtig gewesen sein, doch in ihrer neunen Heimat sind sie einsam. Das brauchen sie nicht zu leugenen, denn es geht aus jedem ihrer zahlreichen Briefe hervor. Die höhere Gesellschaft, der sie sehr gern angehören würden bertrachtet sie als nicht zugehörig und die Frau, von der sie behaupten sie zu lieben, ist vergeben. Sie ist der Einsamkeit des Alleinseins bereits entflohen und hat einen Partner gefunden, der sie duldet und den sie duldet. Sie jedoch, Herr Werther sind nach wie vor alleine in der endlosen Welt, in der es keinen Halt zu geben scheint.
Laut meiner Theorie, bin ich zu der Auffassung gelangt, dass wahre Liebe nur zustande kommt, wenn man seine Angst und /oder Hass gegenüber dem anderen Geschlecht überwinden kann. Nach dem Studium iherer Briefe, bin ich nun überzeugt davon, dass es sich bei ihrer Liebe, um die sogenannte pathologische Liebe handelt. Diese Liebe äußert sich einerseits in dem bewussten Leiden des Betroffenen, wie ich es bei ihnen besonders in den letzten Briefen feststelllen konnte und andererseits werden Betroffene oft als neurotisch empfunden. Da sich aus den Reaktionen ihrer Mitmenschen eine solche Empfindung ableiten lässt und auch ich diese Empfindung beim Lesen verspürte, bin ich sicher, dass sie aufgrund vergangener Geschenisse nicht in der Lage sind wahrhaftig zu Lieben.
Sehr geehrter Herr Werther, ich weiß, dass diese Aussage sie nach ihren zahlreichen als Liebeskummer empfundenen Leiden, bei ihnen auf Empörung stoßen wird, doch dennoch lege ich es ihnen ans Herz, auch die folgenden Zeilen zu lesen, denn mein Ziel ist es, ihnen aus ihrer Momentanten Krise herauszuhelfen.
Da ich nichts näheres über ihre Vergangenheit sagen kann, so bin ich trotzdem überzeugt, dass sie eine innern tiefen Hass oder eine tiefe Angst vor dem anderen Geschlecht haben. Um wahre Liebe empfinden zu können und daraus neue Kraft zu gewinnen, Lotte doch noch für sich zugewinnen, emfehle ich ihnen dringend, sich mit dieser Angst auseinander zu setzen und sie dann hoffentlich erfolgreic zu besiegen. Ansonsten sehe ich eine bittere Zukunft für sie aber darüber möchte ich jetzt keine Spekulationen anstellen, um sie nicht zu sehr zu beeunruhigen.
Lieber Herr Werther, ich hoffe ich habe sie nicht noch weiter in die Verzweiflung getrieben, sondernkonnte ihnen vielleicht sogar ein Stück weit helfen. Denn das war und ist mein einziges Ziel gewesen. Eine Person, die so eine innere feinfühligkeit besitzt, wie sie es immer wieder an der Natur zeigen, darf sich nicht in der hoffnungslosen Liebe zu einer Person so sehr „verrennen“.
Also meine allerbesten Wünsche für Sie und vielleich eine Antwort.
Ihr Erich Fromm
methodische Begründung: – Differenzen der beiden : – Erich Fromm hat aufgrund seiner beruflichen Laufbahn ein anderen Bezug zum Thema Liebe, als Werther
– Werther betrachtet das Thema Liebe eher naiv/ krankhaft
– Streitthema: – Liebe –> wahre bzw. pathologische Liebe
- Fragen an Werther: – Was in Werthers Vergangenheit vorgefallen ist, wodurch diese pathologische „Hassliebe“ auslöst?
– Wieso schafft er es nicht diesen Hass dem anderen Geschlecht gegenüber zu überwinden?
- Kritik: – „Art“ zu Lieben
- Innere Selbstzerstörung durch die pathologische Liebe –> Werther versucht die nicht aufzuhalten
- Tipps: – Überwindung des Hasses gegenüber dem anderen Geschlecht
– Neuorientierung –> Lotte vergessen bzw. loslassen
- Art der Sprache: – förmlich, gebildet, höflich
Strukturüberblick
Form: Offenes Drama
- mehrere Handlungen gleichzeitig
- keine Einführung in die Figuren/Anfangsszene
- jede Szene im Zusammenhang mit der Gesamtproblematik
- zentrales „Ich“ (Berta)
- wiederkehrende Orte
- ausgedehnte Zeitspanne/ Zeitsprünge
- große Anzahl an Figuren
- Bildungsjargon; Sozialcharakter
Aufbau: 14 Bilder
1. Bild: (1-4) Nähe Stadttor; S.73-80 (Pioniere kommen nach Ingolstadt um eine
Brücke zu bauen, deshalb ist eine große Aufregung in der Stadt. Alle Frauen
versuchen nun einen Pionier abzubekommen, während die Pioniere so
viele Frauen wir möglich wollen. Berta verliebt sich in Korl.)
2. Bild: Haushalt Unertl; S. 81-83 (Herr Unertl diskutiert mit Fabian, seinem Sohn,
da Bert, die Hausangestellte nicht da ist: In Herrn Unertls Augen hat sie zu
arbeiten während Fabian, der in Berta verlieb ist diese unterstützt.
3. Bild: Schwimmbad Männerturnverein; S. 84-86 (Schwimmer planen Holz für
einen neuen Steg von den Soldaten zu klauen)
4. Bild: Bierzelt; S.87-95 (Fabian versucht an Berta heranzukommen, doch diese
will einen Pionier. Berta trifft Korl erneut, doch dieser will immer noch keine
Beziehung. Der Feldwebel, der seine Soldaten demütigt, lernt dann Alma
kennen, die ebenfalls nur auf eine sexuelle Beziehung aus ist.
5. Bild: Schwimmbad Männerturnverein; S. 96-97 (Ein Polizist sucht nach de
geklauten Holz, arbeitet jedoch sehr unsauber, sodass er es nicht findet)
6. Bild: Baustelle; S. 98 (Nächtliche Sabotage der unglücklichen Soldaten)
7. Bild: Haushalt Unertl; S. 99-101(Herr Unertl diskutiert mit Berta über dessen
Arbeitsmoral.)
8. Bild: Baustelle Brückenbau; S. 102-104 ( Der Feldwebel schikaniert die Pioniere
für die Sabotage, da keiner gesteht.)
9. Bild:
10. Bild: (1-7) Luitpoldpark; S. 106-114 ( Münsterer versucht Berta von Korl
abzubringen, diese lässt sich nciht beirren und trifft Korl wenig später,
wieder nicht erfolgreich für beide. Alma wird von zwei anderen Frauen
beleidigt, die sie für eine prostituierte halten.)
11. Bild: Straße Nähe Donau; S. 115-119 ( Zwei Pioniere misshandeln Fabian, nur
um ihre Aggressionen abzubauen.)
12. Bild: Donau; S. 120-122 (Nach einem Unfall auf einem Boot, bei dem der
Feldwebel ins Wasser stürzt, lassen die Pioniere diesen eiskalt ertrinken.)
13. Bild: Luitpoldpark; S. 123-124 ( Alma schafft es nun auch Fabian rum zu
kriegen)
14. Bild: Brückenbaustelle; S.125-Ende ( Berta lässt sich nun doch noch auf Korl
ein. Die Pioniere verlassen Ingolstadt und Korl zeigt sich Berta gegenüber
zum ersten Mal von seiner besseren Seite)
Sprache:
- verschiedene Stände –> verschiedene „Sprachen“ bzw. Umgangsformen
z.B. Unertl und Fabian gehören einer bessern Gesellschaft an und unterhalten
sich untereinander dementsprechend.
z.B. Berta und Alma die in die unteren Gesellschaftsschichten einzuordnen sind,
sprechen dem entsprechend umgangssprachlich, bzw. deren Bildungsjargon.
- Bildungsjargon; Sozialcharakter
- naturalistische Sprache
z.B. Psycholekt: Alma ist e
- raue Umgangssprache (Feldwebel:
Schauplätze: Ingolstadt
- Nähe Stadttor
- Haushalt Unertl
- Schwimmbad Männerturnverein
- Bierzelt
- Baustelle/ Brücke
- Luitpoldpark
- Straße Nähe der Donau
- Donau
Personenkonstellation:

Wiederholungen:
- Demütigungen der Männer
- Orte
- Personen
- Probleme (Agressivität, Bertas Arbeitsmoral)
Handlungsstränge:
1. Berta die verzweifelt nach der wahren Liebe sucht, sich jedoch immer wieder von den Männern unterdrücken will
2. Die Pioniere, die mit ihrem Leben nicht glücklich sind und deshalb sehr aggressiv, unberechenbar und brutal geworden sind und sämtlichen Respekt gegenüber Frauen verloren haben.
Themen:
- Diskriminierung der Frauen
- Das Leben der kleinen Leute
- Liebe / Unglückliche Verliebtheit
- Verzweiflung
- Brutalität/ Aggression
- Das Leben der Soldaten
Verhalten zwischen Männern und Frauen – Geschichten aus dem Wiener Wald
Verhalten zwischen Männern und Frauen
In dem Drama „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth geht es, wie es der Titel schon sagt, um Geschichten aus dem kleinbürgerlichen Leben im Wiener Wald. Im Mittelpunkt des Buches stehen ein junger Mann, eine junge Frau und deren alltägliches Umfeld. Das Buch ist durchzogen von wirren Liebes- und Lebensgeschichten und weist verscheidenste Verhältnisse zwischen einzelnen Personen, vor allem zwischen Männern und Frauen auf. Mit diesem größtenteils oberflächlich wirkenden Verhalten zwischen Männern und Frauen in dem Buch habe ich mich im Folgenden befasst. Besonders beziehe ich mich hierbei auf das Verhalten zwischen Marianne und Alfred (S. 39-41; S.46-49), das Verhalten zwischen Marianne und Oskar (S. 21-23; S. 99+100; S. 106) und zeige dabei das ungewöhnliche Verhalten Mariannes zu dieser Zeit af, das sie versucht ihren eigenen Weg zu gehen.
Marianne – Oskar
Marianne, die junge Tochter eines Ladenbesitzers im achten Bezirk soll, nach des Vaters Willen, Verlobung mit dem Metzgereibesitzer Oskar feiern. Dieser gibt vor sie zu lieben, zu respektieren und glücklich mit ihr zu sein. Doch der Schein, einer glücklichen Beziehung täuscht. Marianne ist unzufrieden und Oskar ist keinesfalls der „Mann ihrer Träume“. Sie scheint alles zu versuchen, um einer Verlobung mit Oskar zu entgehen. Sie ist keineswegs glücklich, verliebt oder respektvoll Oskar gegenüber, sondern patzig. Hierbei zeigt sich ein ungewöhnliches Verhalten der Frau zur Zeit des aufkeimenden Nationalsozialismus. Di damalige Aufgabe der Frau war der Haushalt sowie die Kindererziehung. Einmal verheiratet war das Leben der Frauen vorbestimmt und für gewöhnlich dachte keine der Frauen über eine Trennung nach. Sie hatten sich unterzuordnen und dem Mann ein schönes Leben zu bereiten.
Nachdem Marianne Oskar am Tage der Verlobung betrügt und mit dem jungen Draufgänger Alfred ein neues Leben beginnt, ist Oskar verzweifelt und entsetzt.
Doch nach nur circa einem Jahr Beziehung mit Alfred muss Marianne einsehen, dass auch Alfred nicht der Richtige ist und die beiden trennen sich. Jedoch hat sie inzwischen ein Kind von Alfred und ist finanziell ruiniert, denn der Kontakt zu ihrem Vater ist nach der missglückten Verlobungsfeier abgebrochen. Der Zauberkönig schämt sich für seine Tochter, da sie es wagt so mit den Männern und vor allem ihrem Verlobten umzuspringen. Bei einem zufälligen Treffen mit Oskar erklärt dieser Marianne, dass er sie gerne zurück hätte, aber nur wenn diese ihr Kind verstößt. „dass ich dich trotz allem noch heut an den Altar führen tät, wenn du noch frei wärst – ich meine jetzt das Kind“ (S.100, Z. 7-10). Hier zeigt sich, dass Oskar keinesfalls wahre Liebe empfindet, denn ansonsten würde er sie unter jeden Umständen zurück wollen. Marianne hält jedoch zu ihrem Kind und lässt sich nicht auf Oskar ein, auch wenn dieser ihr ein finanziell gesichertes Leben bieten könnte. Sie widersetzt sich den Männern, indem sie nicht „nach ihrer Nase tanzt“ auch wenn sie bereits gemerkt hat, dass sie keine Liebe empfindet und trennt sich stattdessen, welches erneut nicht der Normalität zu dieser Zeit entsprach. Nach dem tragischen Tod ihres Kindes bietet ihr Oskar erneut an sie zurück zunehmen, da sie ihr Kind jetzt „Gott sei dank“, los sei. Das Ende des Buches bleibt offen, so weiß man nicht, ob Marianne auf Oskar eingeht, doch wenn sie dies täte, wäre es nicht ihr „Herzenswunsch“, nur der Wunsch, nach einem sicheren Leben, also eine Art Notlösung. Denn sie wirkt in den Gesprächen uninteressiert und reagiert patzig (S. 22, Z. 7-13), während Oskar ihr immer wieder wahre Liebe vorgaukelt und liebevoll und tröstend erscheint.
Marianne – Alfred
Alfred und Marianne kommen sich am Tag von Mariannes Verlobung mit Oskar, an der „schönen blauen Donau“ zum ersten Mal nahe. Marianne, die in der Donau geschwommen war, taucht direkt vor Alfred auf, welcher sich am Ufer niedergelassen hatte um ihr aufzulauern. Die beiden beginnen ein naives Gespräch, in dem keiner wirklich auf den anderen eingeht, sondern nur seinen eigenen Interessen folgt. Sie reden über Marianne, die um jeden Willen aus der frischen Verlobung mit Oskar ausbrechen will und Marianne fragt Alfred schon nach wenigen Sätzen und einem Kuss „ob er sie liebe, wie er sollte“ (S.40,Z.7). Hiermit möchte Marianne ausdrücken, dass sie ihre wahre Liebe noch sucht und glaubt aus der kurzen Unterhaltung mit Alfred bereits zu wissen, dass dieser es ist. Der abenteuerlustige Alfred hingegen ist keineswegs auf eine feste Beziehung aus, sondern lediglich an einer sexuellen Beziehung mit Marianne interessiert. Doch da die beiden mehr oder weniger aneinander vorbeireden, versteht keiner die „Botschaft“ des anderen. Wenig später wird Alfred klar, dass Marianne nicht nur auf eine Nacht aus ist, denn sie plant bereits die Hochzeit (S.41,Z.4) und will ein Kind von Alfred. Hier zeigt sich Mariannes Naivität Männern und dem Leben gegenüber. Alfred schafft es nicht sich aus der Situation zu befreien, welches die Schwäche seines „Triebes“ darstellt. Ungefähr ein Jahr später wohnen Marianne und Alfred zusammen, in einer spärlichen Wohnung und sind Eltern eines Kindes. Durch die schlechte finanzielle Lage der beiden ist es ihnen kaum möglich das Kind zu ernähren. Alfred und Marianne sind zu Gegenspielern geworden. Alfred gibt Marianne die Schuld an allem und bereut das Kind und will es los werden (S.48, Z.13). Marianne hingegen gibt Alfred die Schuld aber findet sich mehr oder weniger mit den Umständen ab. Vor allem akzeptiert und liebt sie ihr Kind. Hier widersetzt sich Marianne erneut „ihrem“ Mann und ist, wie stets, auf ihre eigene Freiheit bedacht. Alfred ist längst nicht mehr liebevoll, sondern egoistisch und unverschämt, so sagt er z.B. „Liebes Kind, es gibt eben etwas, was ich aus tiefster Seel heraus haß - und das ist die Dummheit (S.49, Z.20-23). Alfred beleidigt Marianne und beschließt sie zu verlassen. Hier zeigt sich seine junge Abenteuerlust und sein Desinteresse an einer Frau und einem geregelten Leben. Er versucht zu fliehen. Marianne ist verzweifelt doch wirkt weniger naiv als Alfred, denn sie akzeptiert die Situation und will diese „meistern“. Am Ende trennen sich die beiden und das Kind stirbt.
Alles in allem lässt sich sagen, dass Marianne eigentlich eine starke Frau ist, die sich versucht gegen die dominante „Männerwelt“ durchzusetzen und deren Unterdrückung nicht zu gehorchen, sondern „frei“ zu leben. „Ich lass mich von euch nicht mehr tyrannisieren“ (S.42; Z. 25). Doch die scheitert, da sie aufgrund von zwei Trennungen, einem unehelichen Kind und der schlechten Chance als Frau einen Job zu ergattern letztendlich finanziell ruiniert ist. So muss sie um wieder einigermaßen „Herr der Lage“ zu werden einen unseriösen Job als Nackttänzerin in einem dubiosen Nachtclub annehmen, welches ihr Ansehen noch weiter hinab setzt. Auf Grund ihres zu dieser Zeit untypischen Verhaltens einer Frau wird sie sogar von ihrem Vater verstoßen, der Mariannes Verhalten nicht nachvollziehen kann. „Ich habe keine Tochter mehr!“ (S.43, Z. 12+13). Wie Marianne nach dem Tod ihres Kindes weiterlebt, ob mit Oskar, um finanziell gesichert zu sein oder alleine, ist aufgrund des offenen Endes unklar.
Rollenbiographie – Emil Quaquaro
Herkunft:
Mein Name is Emil Quaquaro, ick bin 40 Jahre alt un bin der Hausmeister
oder ooch Vizewirt in dem alten Kasernenjebäude in Berlin. Nebenbei bin
ick ooch Inhaber eenes Wanderzirkus. Durch meinen Beruf kenne ick die
Einwohner det Hauses ziemlich jut un ooch sonst bin ick meistens uff dem
laufenden, wenn et um neue Jeriechte oder wahre Jeschichten jeht.
Deshalb bin ick bei vielen hier im Haus, über die et etwas zu reden jibt wie
bei Frau John oder Fräulein Knobbe sehr unbeliebt.
Für die bin ick“ ‘ne olle dussliche Dromlade, wo’n janzen Tag spionieren
dut“ (S.80, Z. 35+36)Die Leute hinjejen, die etwas erfahren wollen, wie
Herr John, die schätzen meen Wissen un befrajen mich.
Auftreten/Artikulation:
Ick komme aus einfachen Verhältnissen, habe daher eenen starken
Berlinerakzent un meine Stimme klingt sehr kelhlig, aber ick bin
deswejen nich unjepflegt. Mein Körper is sehr kräftig un jrob und ick
könnte mit meiner athletischen Fijur der Hauptakteur meines Zirkus sein
(S. 45, Z.11-16). Ick bin immer janz ehrlich und direkt z.B. bin ick der
Ansicht,“ det bei die John eene Schraube los wa“ (S.52, Z. 23). Durch mein
janzes Wissen ieber andere Leute bin ick sehr skeptisch jeworden. „Wo
man singt, da lass dir jeruhig nieder, heeßt et zwar, aber det wolt ick keenen
raten…“ (S.53, Z. 5+6). Ick sehe et, als mein Job an, die Leute ieber allet
wat so passiert uffzuklären, denn man muss ja bescheid wissen, wat so
jeschieht (S. 71, Z.32).
Dramenanalyse: „Kabale & Liebe“
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um einen Ausschnitt (S.68f) aus dem Drama „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller, welches am 13.April 1784 in Frankfurt am Main uraufgeführt wurde. In dem Drama, welches der literarischen Sturm und Drama Epoche zuzuordnen ist, geht es um die bürgerlichen Moralvorstellungen, um Liebe und wahre Empfindung, welche durch das Bürgertum vertreten werden, aber auch teilweise über die Ständegrenzen hinausgehen und um Kabale bzw. Intrigen welche durch den Adel repräsentiert werden. Die Hauptrollen sind ein junger Mann Names Ferdinand aus dem Adel und ein junges Mädchen, Luise, aus dem Bürgertum. Ferdinand, welcher trotz seiner Adeligkeit die bürgerlichen Moralvorstellungen vertritt aber sehr selbstverliebt ist und somit wiederum den Adel darstellt und Luise, ein Mädchen, die die moralische Überlegenheit und die Vorbild Rolle des Bürgertums widerspiegelt, verlieben sich ineinander und kämpfen für ihre Liebe und gegen die Ständegrenzen. Ferdinands Vater, der Präsident des Staates, benötigt seinen Sohn um für seine Zwecke und beauftragt deswegen seinen Sekretär, die Liebenden zu trennen. Dieser gibt Ferdinand einen Brief von Luise und der realitätsblinde Ferdinand versteht diesen falsch und denkt, dass sie ihn betrügt. Die Szene, in der Ferdinand den Brief gelesen hat werde ich nun im folgenden analysieren.
Ferdinand ringt zunächst um Fassung und ist unglaublich enttäuscht von Luise, dass sie ihm, der in glücklichen Wahnsinn den ganzen Himmel in ihr zu umspannen wähnte (Z.30), so etwas antun konnte. Seine Liebe zu ihr war so groß, wie er es hier in Z.30 mit einer Hyperbal beschreibt, trotz des Ständeunterschiedes, welchen er ihr jetzt aus lauter Wut und Enttäuschung entgegenbringt, indem er sie als Heuchlerin (Z.24), als Kokette(Z.25) und als Metze (Z.26) bezeichnet, womit er klar zu verstehen gibt, dass er sie nun, da er ihr wahres Gesicht kennt, als minderwertig betrachtet. Zuvor kämpften die beiden jedoch gegen den Unterschied der Stände und für die Liebe auch zwischen verschiedenen Ständen. Während des gesamten Monologs verwendet Schiller Diaphoren, um die Bedeutung einzelner Wörter hervorzuheben bzw. um Ferdinands starke Wut zu verdeutlichen. „Es ist nicht möglich, nicht möglich!“ (Z.3) oder “Und doch, doch“ (Z.4). Am Anfang des Monologs ringt Ferdinand um Fassung, da er nicht glauben kann, dass hinter dieser himmlischen Hülle ein so teuflisches Herz steckt (Z.1+2), hier spiegelt sich mit den Anspielung auf Himmel und Hölle auch nochmal der starke Religionsbezug Ferdinands und der Ständeunterschied dar, indem Himmel für das Bürgertum steht und Hölle für die Intrigen Im Adel. Diese Religionsbezüge fallen während des gesamten Monologs immer wieder auf, z.B. Himmel und Erde, Schöpfung und Schöpfer (Z.3) oder er spricht Gott direkt an (Z.
Ferdinand bezieht seine Welt auf die Gottes Welt (Apostrophe) „Wenn alle Engel herunterstiegen, für ihre Unschuld bürgten- wenn Himmel und Erde, wenn Schöpfer und Schöpfung zusammenträten, für ihr Unschuld bürgten“ (Z.2-4)Im Verlauf des Monologs beginnt er mehr und mehr zu realisieren, wie sehr er sich in Luise geirrt hat. „Mich so zu ergründen! – Jedes kühne Gefühl, jede leise, schüchterne Bebung zu erwidern (…).“ (Z.12-17) er sieht Luises Verhalten fortan als „Grimasse?- Nichts als Grimasse“ (Z.17+18) an. Er beginnt all die Liebesbotschaften zu hinterfragen und sich zu fragen, wie jemand etwas so realistisch vorheucheln kann.“Da ich ihr die Gefahr unserer Liebe entdeckte, mit welch überzeugender Täuschung erblaßte die Falsche da! (Z.20+21). Hier macht Ferdinand auch immer wieder Pausen, dieses Stellt seine Verzweiflung dar, denn er weiß gar nicht was er zu dem Betrug sagen soll. Am Ende des Monologs steigen seine Gefühle auf Hass und Rache um. Er droht Luise mit „Tod und Rache“ (Z.33). Der Autor verwendet viele rhetorische Mittel, wie ich bereits einige erwähnt habe. Des weiteren benutzt er in Zeile 22 eine Metapher „himmlische Schminke“. Ferdinands innere Zerrissenheit, ob er sich nun wirklich so in seiner geliebten getäuscht hat und ob er all das glauben soll ist zunächst sehr offensichtlich „Es ist nicht möglich. Nicht möglich“ (Z.1), doch schnell ist er von ihrer Untreue überzeugt, was auch zeigt, dass seine Liebe nicht so ungeheuer groß gewesen sei kann, wie er es z.B. in Z.27+28 „Mein Herz trat beim Erröten des ersten Kusses sichtbar in meine Augen“. Allgemein kann man sehr schön den eigentlichen Konflikt, zwischen dem Bürgertum, dargestellt durch den Himmel, welches die wahren Gefühle und echte Liebe darstellt und dem Adel, dargestellt durch die Hölle, wo Betrug und Heuchelei und Kabale vorherrschen, erkennen und das es der Hauptcharakter Ferdinand, trotz seinen bürgerlichen Moralvorstellungen nicht schafft, die Intrigen, die er seit Kindertagen am Hofe erfährt hinter sich zu lassen und auf die Intrige seines Vaters reinfällt ohne es auch nur zu versuchen, den Vorfall aufzuklären.
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