Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um einen Ausschnitt (S.68f) aus dem Drama „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller, welches am 13.April 1784 in Frankfurt am Main uraufgeführt wurde. In dem Drama, welches der literarischen Sturm und Drama Epoche zuzuordnen ist, geht es um die bürgerlichen Moralvorstellungen, um Liebe und wahre Empfindung, welche durch das Bürgertum vertreten werden, aber auch teilweise über die Ständegrenzen hinausgehen und um Kabale bzw. Intrigen welche durch den Adel repräsentiert werden. Die Hauptrollen sind ein junger Mann Names Ferdinand aus dem Adel und ein junges Mädchen, Luise, aus dem Bürgertum. Ferdinand, welcher trotz seiner Adeligkeit die bürgerlichen Moralvorstellungen vertritt aber sehr selbstverliebt ist und somit wiederum den Adel darstellt und Luise, ein Mädchen, die die moralische Überlegenheit und die Vorbild Rolle des Bürgertums widerspiegelt, verlieben sich ineinander und kämpfen für ihre Liebe und gegen die Ständegrenzen. Ferdinands Vater, der Präsident des Staates, benötigt seinen Sohn um für seine Zwecke und beauftragt deswegen seinen Sekretär, die Liebenden zu trennen. Dieser gibt Ferdinand einen Brief von Luise und der realitätsblinde Ferdinand versteht diesen falsch und denkt, dass sie ihn betrügt. Die Szene, in der Ferdinand den Brief gelesen hat werde ich nun im folgenden analysieren.
Ferdinand ringt zunächst um Fassung und ist unglaublich enttäuscht von Luise, dass sie ihm, der in glücklichen Wahnsinn den ganzen Himmel in ihr zu umspannen wähnte (Z.30), so etwas antun konnte. Seine Liebe zu ihr war so groß, wie er es hier in Z.30 mit einer Hyperbal beschreibt, trotz des Ständeunterschiedes, welchen er ihr jetzt aus lauter Wut und Enttäuschung entgegenbringt, indem er sie als Heuchlerin (Z.24), als Kokette(Z.25) und als Metze (Z.26) bezeichnet, womit er klar zu verstehen gibt, dass er sie nun, da er ihr wahres Gesicht kennt, als minderwertig betrachtet. Zuvor kämpften die beiden jedoch gegen den Unterschied der Stände und für die Liebe auch zwischen verschiedenen Ständen. Während des gesamten Monologs verwendet Schiller Diaphoren, um die Bedeutung einzelner Wörter hervorzuheben bzw. um Ferdinands starke Wut zu verdeutlichen. „Es ist nicht möglich, nicht möglich!“ (Z.3) oder “Und doch, doch“ (Z.4). Am Anfang des Monologs ringt Ferdinand um Fassung, da er nicht glauben kann, dass hinter dieser himmlischen Hülle ein so teuflisches Herz steckt (Z.1+2), hier spiegelt sich mit den Anspielung auf Himmel und Hölle auch nochmal der starke Religionsbezug Ferdinands und der Ständeunterschied dar, indem Himmel für das Bürgertum steht und Hölle für die Intrigen Im Adel. Diese Religionsbezüge fallen während des gesamten Monologs immer wieder auf, z.B. Himmel und Erde, Schöpfung und Schöpfer (Z.3) oder er spricht Gott direkt an (Z.
Ferdinand bezieht seine Welt auf die Gottes Welt (Apostrophe) „Wenn alle Engel herunterstiegen, für ihre Unschuld bürgten- wenn Himmel und Erde, wenn Schöpfer und Schöpfung zusammenträten, für ihr Unschuld bürgten“ (Z.2-4)Im Verlauf des Monologs beginnt er mehr und mehr zu realisieren, wie sehr er sich in Luise geirrt hat. „Mich so zu ergründen! – Jedes kühne Gefühl, jede leise, schüchterne Bebung zu erwidern (…).“ (Z.12-17) er sieht Luises Verhalten fortan als „Grimasse?- Nichts als Grimasse“ (Z.17+18) an. Er beginnt all die Liebesbotschaften zu hinterfragen und sich zu fragen, wie jemand etwas so realistisch vorheucheln kann.“Da ich ihr die Gefahr unserer Liebe entdeckte, mit welch überzeugender Täuschung erblaßte die Falsche da! (Z.20+21). Hier macht Ferdinand auch immer wieder Pausen, dieses Stellt seine Verzweiflung dar, denn er weiß gar nicht was er zu dem Betrug sagen soll. Am Ende des Monologs steigen seine Gefühle auf Hass und Rache um. Er droht Luise mit „Tod und Rache“ (Z.33). Der Autor verwendet viele rhetorische Mittel, wie ich bereits einige erwähnt habe. Des weiteren benutzt er in Zeile 22 eine Metapher „himmlische Schminke“. Ferdinands innere Zerrissenheit, ob er sich nun wirklich so in seiner geliebten getäuscht hat und ob er all das glauben soll ist zunächst sehr offensichtlich „Es ist nicht möglich. Nicht möglich“ (Z.1), doch schnell ist er von ihrer Untreue überzeugt, was auch zeigt, dass seine Liebe nicht so ungeheuer groß gewesen sei kann, wie er es z.B. in Z.27+28 „Mein Herz trat beim Erröten des ersten Kusses sichtbar in meine Augen“. Allgemein kann man sehr schön den eigentlichen Konflikt, zwischen dem Bürgertum, dargestellt durch den Himmel, welches die wahren Gefühle und echte Liebe darstellt und dem Adel, dargestellt durch die Hölle, wo Betrug und Heuchelei und Kabale vorherrschen, erkennen und das es der Hauptcharakter Ferdinand, trotz seinen bürgerlichen Moralvorstellungen nicht schafft, die Intrigen, die er seit Kindertagen am Hofe erfährt hinter sich zu lassen und auf die Intrige seines Vaters reinfällt ohne es auch nur zu versuchen, den Vorfall aufzuklären.